Was bedeutet der demografische Wandel für die Planungsregion Uckermark-Barnim?

Die Planungsregion Uckermark-Barnim ist bis auf wenige Räume (Schwedt, Eberswalde, Prenzlau und dem Umland von Berlin) überwiegend ländlich geprägt und relativ dünn besiedelt. Der Landkreis Uckermark (UM) zählt flächenmäßig mit 3.077 km² zu den größten Landkreisen der Bundesrepublik, ist aber mit ca. 121.326 Einwohnern auf dieser Fläche mit nur rund 39 Einwohner je km² vergleichsweise dünn besiedelt. Einige Gemeinden, wie zum Beispiel Boitzenburger Land, Uckerland oder Nordwestuckermark, weichen mit 18 bis 19 Einwohnern je km² noch einmal deutlich nach unten ab. Im Landkreis Barnim (BAR) leben etwa 173.750 Einwohner auf der halben Fläche (1.472 km²).

Die jüngsten regionalisierten Bevölkerungsvorausschätzungen sagen für die Planungsregion Uckermark-Barnim einen Rückgang der Einwohnerzahl bis zum Jahr 2030 auf dann 269.378 Einwohner voraus. Die Entwicklung verläuft interregional und auch innerhalb der Regionen stark differenziert. Das heißt, auch innerhalb der Landkreise, Städte und Gemeinden der Planungsregion Uckermark-Barnim gibt es eine unterschiedliche Betroffenheit.

Die Spanne an prognostizierten Zu- und Abnahmen reicht von moderaten Zuwächsen und nur leichten Einwohnerverlusten in den Ämtern und Gemeinden im Berliner Umland (Landkreis Barnim) bis minus 21 Prozent in der Gemeinde Lychen im Landkreis Uckermark. Aber auch der berlinnahe Landkreis Barnim wird bis zum Jahr 2030 einen leichten Bevölkerungsrückgang auf 165.702 Einwohner erfahren. Dies ist vor allem auf den anhaltend negativen Saldo der natürlichen Bevölkerungsentwicklung in den nördlichen Teilen des Landkreises zurückzuführen: Dort gibt es, wie in der Uckermark seit den 1990er Jahren, deutlich weniger Geburten als Sterbefälle in Verbindung mit teils hohen Abwanderungsraten. So wird bspw. auch für die Bevölkerung im Amt Britz-Chorin-Oderberg bis zum Jahr 2030 ein Rückgang um 15,5 Prozent gegenüber 2013 prognostiziert. Gleichzeitig wird nur noch ein moderater und degressiver Zuwachs der Bevölkerung im Berliner Umland erwartet. Im Landkreis Uckermark ist diese Entwicklung insgesamt sehr viel ausgeprägter und betrifft alle Gemeinden ähnlich stark. Hier wird die Bevölkerung insgesamt um 14,6 Prozent auf dann rund 103.500 Einwohner zurückgehen.

Die demografischen Entwicklungen sind nicht in allen Teilen der Planungsgemeinschaft neu, sie vollziehen sich hauptsächlich in der Uckermark schon seit 1990. Der Landkreis hat seither kontinuierlich rund 25 Prozent seiner Einwohner verloren. Brisanz erhalten die prognostizierten Bevölkerungsveränderungen in Zukunft auch durch die Alterung der Bevölkerung und die damit einhergehende Abnahme der Personen im erwerbsfähigen Alter. Ohne Ausnahme ist in allen Städten und Gemeinden beider Landkreise ein deutlicher Anstieg des Durchschnittsalters der Bevölkerung zu erwarten. Beide Landkreise sind bereits gegenwärtig von einem hohen Anteil von über 65-Jährigen gekennzeichnet. Der Landkreis Uckermark gehörte Ende 2010 mit 23,7 Prozent zu den brandenburgischen Landkreisen mit dem höchsten Anteil in dieser Bevölkerungsgruppe. Im Barnim war der Anteil an Bevölkerung im Alter von 65 Jahren und älter mit 21,2 Prozent nur unwesentlich geringer. Im Zeitverlauf wird an der signifikanten Zunahme dieser Bevölkerungsgruppe wie auch der der Hochaltrigen (80 Jahre und älter) die regionale Alterung deutlich. Bis 2030 werden sich die Anteile dieser Altersgruppen verdoppeln. In absoluten Zahlen bedeutet dies, bereits heute sind von den rund 295.000 Einwohnern in der Planungsregion 68.200 Menschen 65 Jahre und älter, im Jahr 2030 werden es rund 110.00 Menschen sein (AfS Berlin-Brandenburg 2012; 2014).

Der demografische Wandel ist somit auch ein wesentlicher Einflussfaktor für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Region. Die Veränderung der Einwohnerzahl sowie der Altersstruktur der Bevölkerung beeinflusst beispielsweise entscheidend die Zusammensetzung und Verfügbarkeit von Arbeitskräften und den Bedarf an bestimmten Dienstleistungen und Infrastrukturen.

Die Probleme dieser voraussichtlichen demografischen Entwicklung bis zum Jahr 2030 zusammen mit den anhaltenden Strukturdefiziten, aber auch die überwiegend ländliche, disperse Siedlungsstruktur stellt die Planungsregion im Hinblick auf die Aufrechterhaltung von Daseinsvorsorgeeinrichtungen sowie deren Erreichbarkeit vor besondere Herausforderungen. Die demografischen Entwicklungen mit Ausprägungen wie in der Planungsregion Uckermark-Barnim haben natürlich Folgen für die Kosten und Auslastungen von Einrichtungen der Daseinsvorsorge in den peripheren Räumen der Region. Vor allem Unterauslastungen führen hier zu mangelnden Tragfähigkeiten. Öffentliche wie private Dienstleister und Einrichtungen haben zwar bereits deutliche Anpassungsprozesse durchlaufen (vor allem in der Uckermark), die Alterungs- und Schrumpfungsprozesse werden sich jedoch verstärken und die flächendeckenden wohnortnahen Angebote und Dienstleistungen der Daseinsvorsorge werden sich in fast allen Räumen der Planungsregion verändern, hauptsächlich ausdünnen. Eine Ausnahme bilden die berlinnahen Gemeinden, wie z.B. Ahrensfelde, Panketal, Wandlitz und Werneuchen. Hier sind Herausforderungen im Bereich der Daseinsvorsorge zu bewältigen, die durch eine Bevölkerungszunahme entstehen.

Angesichts der gesamträumlichen Entwicklungen in der Region, gilt es sich darauf einzustellen, zukünftige notwendige Anpassungen bereits jetzt zu berücksichtigen und Maßnahmen der Gegensteuerung zu planen und umzusetzen. Ziel sollte die Anpassung der Daseinsvorsorge an die regionalen Rahmenbedingungen und an die Nachfrage sein, um ein langfristig tragfähiges Versorgungsnetz für die Bevölkerung zu schaffen und Erreichbarkeiten von Versorgungseinrichtungen zu sichern. Auf regionalplanerischer Ebene ist dies vor allem durch die Steuerung der Siedlungsentwicklung und die Beförderung der interkommunalen Kooperation möglich. .

 

Bevölkerungsprognose Land Brandenburg 2014-2040

Bevölkerungsvorausschätzung für die Ämter und amtsfreien Gemeinden des Landes Brandenburg 2014-2030

Strukturdatenanalyse Brandenburg 1997 bis 2006

Ausgewählte Kartendarstellungen für die Planungsregion Uckermark-Barnim (Stand 2006)